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Exponat des Monats Mai 2018

Butterkirne - Exponat des Monats Mai 2018

Butterkirne

Der Mai ist gekommen! In unserer landwirtschaftlich geprägten Region kommen jetzt die Kühe nach dem langen Winter endlich wieder raus auf die grüne Wiese. Die Milch der Kühe nach dem ersten Weidegang, und damit die daraus hergestellte Butter, ist qualitativ deutlich besser und vitaminreicher als die Milch, welche die Kühe aus Silofutter und Heu produzieren. Diese Butter wird „Maibutter“ genannt. Das Museum der Stadt Lennestadt widmet sich diesem Thema und präsentiert als „Exponat des Monats Mai“ eine antike Butterkirne oder auch Butterschleuder genannt. Die Butterkirne ist eine Leihgabe des Heimatvereins Grevenbrück und stammt aus der Sammlung landwirtschaftlicher Geräte, die seit nunmehr 25 Jahren in der eigens gebauten Scheune vom Verein betrieben wird. Wie die meisten der hier lagernden Exponate wurde auch dieses Gerät von Engelbert Stens beschafft.

Das vom Museum präsentierte Exponat ist ein Drehbutterfass mit Handkurbel, Schaufelrad und Deckel. Diese Butterkirne ist aus Eichenholz zusammengefügt, das durch Metallbänder zusammengehalten wird. Sie hat ein Fassungsvermögen von fünf bis sieben Litern Milch und steht auf einem Holzgestell. Die Gesamthöhe des Drehbutterfasses beträgt 85 cm, die Breite 65 cm. An der Seite der Kirne befindet sich das große Antriebsrad mit einem Holzgriff. Das Rad hat einen Durchmesser von 50 cm.

Hergestellt wurde die präsentierte Buttermaschine gemäß dem angebrachten Firmenschild von der Firma Wilh. Hinghaus, Versmold i.W. Gegründet wurde dieses Unternehmen 1885, im Jahr 1993 stellte es seine Produktion ein. Die Herstellung von Buttermaschinen endete bereits in den 1950er Jahren, da modernere Maschinen die Fertigung der Butter übernahmen.

Diese Butterkirne ist auch elektrisch zu betreiben, sie ist daher eigentlich eine Buttermaschine. Ein Elektromotor, der bei diesem Exponat leider fehlt, wurde dazu unten auf einem Brett des Holzgestells befestigt. Durch einen Keilriemen, der auf das Antriebsrad gelegt wird, kam die Verbindung zum Motor zustande. Wilhelm Hinghaus, der jetzt im Ruhestand befindliche frühere Eigentümer der Herstellerfirma, sagt dazu: „Diese Version der Butterkirne war in den 1920er Jahren schon eine Seltenheit und wurde hauptsächlich von Höfen mit größerem Kuhbestand genutzt. Im Inneren einer herkömmlichen Butterkirne befinden sich Schaufeln. In dieser Buttermaschine, die mit zwei Geschwindigkeiten fahren konnte, sind zwei gedrechselte Rollen, eine davon ist quer-, die andere längsgeriffelt. Mit der schnellen Geschwindigkeit wurde gebuttert, in der langsamen Drehzahl wurde die Butter infolge der speziellen Rollen dann noch geknetet. Diese Maschine, die beide Funktionen durchführen konnte, war daher im eigentlichen Sinne ein Butterfertiger.“

Butter ist ein meist aus dem Rahm der Milch hergestelltes Streichfett. Überwiegend wird Butter aus Kuhmilch hergestellt, doch es gibt auch Butter aus Schaf- und Ziegenmilch. Wann und wo Butter zum ersten Male hergestellt wurde, ist nicht bekannt. Fest steht nur, dass es wohl in Verbindung mit der Einführung der Viehzucht geschah, etwa vor 5000 Jahren. In früheren Zeiten erfolgte die zur Butterherstellung notwendige Vorstufe der Aufrahmung nach Möglichkeit in kühlen, gut mit Torf isolierten Eiskellern, die stets im Winter mit Natureis neu befüllt werden mussten. Seit dem Mittelalter entwickelte sich Butter zu einem wichtigen Handelsgut, das in Töpfen und Fässern, auch auf dem Seeweg, transportiert wurde. Ab 1890 kamen Zentrifugen auf den Markt, durch welche die Rahmgewinnung schneller und einfacher vonstattenging. Vor der Erfindung der Zentrifuge war die Butterherstellung vor allem ein zeitraubendes Verfahren. Zunächst stellte man die Milch in breiten Schüsseln in einen Kühlraum und wartete, bis sich der Rahm oder die Sahne nach oben abgesetzt hatte. Diesen Rahm schöpfte man mit einer Kelle ab und bewahrte ihn im Kühlen auf. Mit der Erfindung der Zentrifuge wurde dieser Arbeitsschritt dann verkürzt. Die Milch kam nun gleich in dieses Gerät mit Handkurbel, das mit Kraft und Geschick bedient werden musste, damit sich Rahm und restliche Flüssigkeit, die Buttermilch, binnen kürzester Zeit trennten.

Der Rahm kam nun in die Butterkirne. Das kräftezehrende Kurbeln, das seine Zeit dauerte, übernahmen meist die Bauersfrauen oder die Mägde, wenn nicht sogar die Kinder. Es war erforderlich, dass ohne Pause und in einem gleichmäßigen Rhythmus gedreht wurde. Der Rahm musste durch die Mechanik des Kurbelns ständig bei gleicher Temperatur gehalten werden. Es wurde gekurbelt, bis die Butter fest war. In eiskaltem Wasser musste die Butter dann gewaschen werden, denn die noch herausquellende Buttermilch sollte restlos entfernt werden, damit die Butter nicht ranzig wurde. Wenn es jetzt ans Kneten ging, konnte man Kräuter einarbeiten. 20 Liter Milch brauchte man für ein Kilo Butter, eine große Menge für einen Kleinbauern mit wenig Vieh. Und das Ergebnis? Ein köstlicher Aufstrich, mit dem das Brot doppelt so gut schmeckte.

Zu sehen ist dieses seltene, etwa 100 Jahre alte landwirtschaftliche Gerät im Museum der Stadt Lennestadt am Sonntag, den 06. Mai 2018, von 14 -17 Uhr. An Werktagen ist das Museum dienstags von 9 -12 und 14 -16 Uhr sowie donnerstags von 9 -12 und 14 -17.30 Uhr geöffnet. Der Eintritt in das Museum ist frei. Foto und Text dieses Exponates sowie alle früher vorgestellten „Exponate des Monats“ kann man sehen und lesen hier oder auf den Internetseiten des Heimatvereins Grevenbrück unter: http://www.heimatverein-grevenbrueck.de.

Von Walter Stupperich

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