Museum der Stadt Lennestadt
Wir freuen uns auf Ihren Besuch!
Startpunkt für ein neues Museum
Nach fast vierjähriger Sanierungspause konnte das Museum der Stadt Lennestadt, vielen noch besser bekannt als „Altes Amtshaus“, Ende Mai 2024 endlich wieder seine Türen öffnen. Wo die Wiedereröffnung durch Unwägbarkeiten wie Corona-Krise und Ukraine-Krieg erst ziemlich weit weg war, rückte sie am Ende doch immer schneller in greifbare Nähe. Die Bilanz des rundum erneuerten Stadtmuseums seit Neueröffnung kann sich sehen lassen: Über 2000 Besucherinnen und Besucher, Schülergruppen, Touristen und Einheimische, fanden ihren Weg in das beliebte Museum an der Kölner Straße in Grevenbrück, Tendenz weiter steigend.
Der offizielle Startpunkt für ein neues Museum war am 07. Mai 2020. An diesem Tag überreichte Ministerin Ina Scharrenbach in Grevenbrück feierlich das „Heimat-Zeugnis“ an die Stadt Lennestadt: Eine Förderzusage des Ministeriums für Heimat, Kommunales, Bau und Digitalisierung des Landes Nordrhein-Westfalen in Höhe von 1.172.428 €. Der Betrag entspricht einer Förderung im Umfang von 60% und die bewilligten Mittel sollten sowohl der Modernisierung und Sanierung des Gebäudes an sich als auch der Neukonzeption und Umgestaltung der bestehenden Ausstellungssituation im Haus dienen.
Die ersten Bestrebungen zur Einrichtung eines Museums gingen maßgeblich auf die Initiative des Heimat- und Verkehrsvereins Grevenbrück (heute Heimatverein Grevenbrück) zurück. Über drei Jahrzehnte hinweg konnte sich das „Alte Amtshaus“ seit 1993 als Konstante in der Museumslandschaft Kreis Olpe etablieren. Mit der Dauerausstellung zur Geschichte Lennestadts, den Grabungsfunden der mittelalterlichen „Peperburg“, dem historischen Schulzimmer und der Webstube für aktive Vorführungen und Museumspädagogik sowie dem angegliederten Archiv mit Landeskundlicher Bibliothek gab es immer wieder Spannendes zu entdecken, für Besucherinnen und Besucher, vor allem auch für die Schulen der Umgebung. Nach 30 Jahren war das Museum dann jedoch baulich als auch ausstellungstechnisch nicht mehr auf dem neuesten Stand, wichtige Standards wie Barrierefreiheit fehlten.
Die bisherige Ausstellung „Moderne Zeiten – Vom Leben im Sauerland von 1850 bis 1955“ machte unmittelbar vor der Stadtgründung 1969 einen Schnitt. Schnell war klar, die Geschichte Lennestadts und der Region sollte in einer neuen Ausstellung weiter erzählt werden, Ausblicke in Richtung Zukunft inklusive.
Das Nutzungskonzept des Hauses wurde ebenfalls neu gedacht: Ein Museum als lebendiger Begegnungsort, der Menschen verschiedener Generationen, Kulturen und Herkunft verbinden kann, der einen Platz zum Zusammenkommen und kreativen Austausch schaffen kann. Gestalterisch zeigt sich diese Vision in einem kleinen neuen Anbau am Haus mit einem Café-Raum zum Beisammensitzen, aber vor allem auch im Rückbau des alten Anbaus aus den 1950er Jahren. Dieser machte einer großzügigen Freifläche hinter dem Gebäude Platz, die mit in der Höhe ansteigenden Steinreihen sowohl als erweiterte Sitzfläche dienen als auch als Bühne oder Veranstaltungsort, im Sommer beispielsweise für Kultur (Lesungen, Konzerte) unter freiem Himmel genutzt werden kann. Ein neuer Aufzug an der Rückseite des Hauses und umgebaute Toiletten im Haus stellen nun auch die Barrierefreiheit für Menschen mit Einschränkungen des Bewegungsapparates oder den Zugang mit Kinderwagen sicher, Bänke in allen Räumen bieten Platz für Verschnaufpausen während des Ausstellungsrundganges.
Von der ersten Idee bis zur fertigen Ausstellung
Für die Ausstellungskonzeption und deren praktische Umsetzung konnten zwei hochklassige Dienstleister gewonnen werden: die Geschichtsmanufaktur Dortmund und das Szenographie-Büro „please don’t touch“, ebenfalls aus Dortmund. Beide sind bereits durch ihre Gestaltung der flexiblen Dauerausstellung zur Geschichte der Ruhr-Sieg-Strecke im Grevenbrücker KulturBahnhof 2020 in bester Erinnerung geblieben. Über Aufrufe in der Presse und mehrere Workshops, an denen Kulturschaffende, Museumsmenschen und begeisterte Ehrenamtliche beteiligt waren und immer auch in enger Abstimmung mit der Kulturabteilung der Stadt Lennestadt entstanden nach und nach die ersten Ideen zu den neuen Ausstellungsinhalten und den Themen, die sich künftig als Schwerpunkte im Museum wiederfinden sollten. Der Newsletter-Versand der Geschichtsmanufaktur brachte alle Interessierten während der weiteren Planungsphase immer wieder auf den aktuellsten Stand. Wichtig für die Ausstellungsgestaltung war auch, dass alle 43 Lennestädter Orte sich im Stadtmuseum repräsentiert fühlen sollten. Wir haben also zusammen mit unseren Ausstellungsgestaltern, über Datenbanksuche und persönliche Ansprache versucht, jeden Ort durch eigene Objekte in die Ausstellung zu bringen.
Bei der Vielfalt an Dingen, die die weit über 8.000 Objekte umfassende Sammlung aus Alltags- und Industriekultur des Stadtmuseums beinhaltet, fiel die Entscheidung für eine möglichst repräsentative Auswahl an Gegenständen für die Ausstellung nicht gerade leicht. Der im Vorfeld oft geäußerte Wunsch, die bisherige Ausstellung 1:1 auf die neue Fläche zu übertragen, konnte aus verschiedenen Gründen nicht umgesetzt werden. Allem voran musste die Ausstellung komplett aktualisiert und fortgeschrieben werden, denn seit 1993 war schließlich einiges passiert in und um Lennestadt – die Stadtgründung 1969 ist nur ein Beispiel für die Veränderungen in der Region. Das wiederum bedeutete, dass ein großer Teil neuer Exponate ins Museum einzog. Durch die umfangreichen Sanierungsarbeiten am, aber vor allem auch im Haus veränderten sich außerdem die Räumlichkeiten. Wanddurchbrüche und die Wiederherstellung historischer Fensteröffnungen führten dazu, dass bei etwa gleicher Quadratmeterzahl etwas weniger Wandfläche zur Verfügung stand. Darauf reagierten die Ausstellungsgestalter mit kreativen Lösungsansätzen und neuen Präsentationsstrategien.
Die Neueröffnung
Moderne Museumsstandards gehen generell dahin, Ausstellungsräume und Texttafeln reduzierter zu gestalten. Bei Bedarf kann nun an verschiedenen Stellen in der Ausstellung auf den Tischen in Klappbüchern weitergelesen werden. Eine Broschüre, die im Foyer des Hauses ausliegt und zum Nachlesen mit nach Hause genommen werden kann, vermittelt vertiefendes Hintergrundwissen zu den Ausstellungsinhalten. Ein Sonderausstellungsraum im Erdgeschoss bietet die Möglichkeit, spezielle Themen aus der Lennestädter Geschichte herauszugreifen und vorzustellen, in wechselnden Zeitabständen. Anfragen zur Nutzung des Sonderausstellungsraumes können immer auch von außen an das Museum herangetragen werden – von Vereinen oder privaten Sammelnden.
Am 26.05.2024 war es dann endlich soweit: Nach monatelanger intensiver Vorbereitung in den Museumsräumlichkeiten, in denen jede helfende Hand zählte, konnten wir zusammen ein Museum wiedereröffnen. Moderiert wurde die feierliche Eröffnung durch Martin Steinberg (Stadt Lennestadt), Bürgermeister Tobias Puspas sprach das Grußwort, Landtagsabgeordneter Jochen Ritter (CDU) gratulierte im Namen des Ministeriums für Heimat, Kommunales, Bau und Digitalisierung des Landes Nordrhein-Westfalen zur erfolgreichen Neueröffnung. Begleitprogramm boten u.a. der Chor „Cantiamo“ unter der Leitung von Michael Nathen (Grevenbrück), der Mundwerker Michael Klute (Sundern), die Illustratorin Janna Schipper (Münster) mit Live-Zeichnungen und das Ehrenamts-Team der museumseigenen Webstube rund um Liesel Steffen (Oberelspe) mit Vorführungen rund um die Themen Spinnen und Weben.
In der neuen Dauerausstellung „43/1 – Einheit in Vielfalt“ im Haus erzählen nun verschiedene Themeninseln die Geschichte Lennestadts und Umgebung mit interessanten, sorgfältig ausgewählten Exponaten und kompakten, übersichtlichen Texttafeln in einer offenen und einladenden Museumsatmosphäre. Inhaltlich geht es da los bei „Von Wallburgbau und Stadtgründung“ über „Von Mondscheinbauern und Weltmarktführern“, „Von Fremdem und Vertrautem“, „Von Freizeit und Engagement“, „Von Krieg und Frieden“ bis hin zu „Von Glauben und Gemeinschaft“.
Museumsalltag und Museumspädagogik: Konstanten neu denken und gestalten
Ganz klar, im Museum hat sich einiges verändert. Die neue Dauerausstellung hat zwei interaktive Komponenten bekommen: das Kaleidoskop im 1. Obergeschoss, das in immer wieder neuen Sequenzen und unterschiedlichen Perspektiven Objekte zeigt, die sich irgendwo in der Ausstellung wiederfinden, und eine Slideshow mit Bildmaterial der heimischen Vereinstätigkeiten im Wandel der Zeit im Dachgeschoss – bequeme Sitzsäcke im Ausstellungsraum laden zum entspannten Entdecken und Verweilen ein. Bei allen Veränderungen sind die wichtigsten Konstanten doch geblieben: Neben den Grabungsfunden von der Burgruine „Peperburg“ aus der ehemaligen „Schatzkammer“ sind auch die „Webstube“ und das „Historische Schulzimmer“ wiedergekommen. Sie waren die Eckpfeiler des aktiven Museumsbetriebes, inklusive einer sehr lebendigen Museumspädagogik, die sich im ganzen Kreis Olpe großer Beliebtheit erfreute. Die museumspädagogischen Angebote („Kleine Wollwerkstatt“, „Historische Schulstunde“ und weitere) können ab sofort wieder von Schulen angesteuert werden. Die Angebote sind sowohl für Grundschulen als auch Oberschulen geeignet. So kann das Museum auch als außerschulischer Lernort wiederentdeckt werden.
Da der museumspädagogische Betrieb zu einem Großteil auf den Schultern eines sehr dynamischen, aber dennoch kleinen ehrenamtlichen Teams ruht, ist Unterstützung im Bereich Museumspädagogik, gern auch durch Studierende und/oder RuheständlerInnen, übrigens immer willkommen.
Ausblicke: Ziele, neue Synergien und Netzwerkarbeit
Die Museumseröffnung am 26.05.2024 war ein Meilenstein, keine Frage. Und auch, wenn die Wunschliste für das Museum und den neuen Museumsbetrieb Schritt für Schritt umgesetzt wird, ist sie noch immer beeindruckend lang: QR-Codes sollen in der Ausstellung über die Anwendung per Smartphone weitere Informationen zu den Objekten geben. Eingesprochene Texte helfen dabei, die Barrierefreiheit, beispielsweise für Menschen mit Sehbeeinträchtigungen, weiter auszubauen. Tagesaktuelle Informationen auf Homepage und per Social Media sollen bei der Besucherorientierung unterstützen. Und eine Anwendung von Augmented Reality könnte die Geschichte Lennestadts noch mal ein ganzes Stück lebendiger und auch per Smartphone erfahrbar machen. Bis es soweit ist, können jederzeit auch Ideen und Anregungen zur weiteren Gestaltung des Stadtmuseums eingereicht werden, entweder per Mail an museum@lennestadt.de oder auch ganz analog vor Ort per Eintrag im museumseigenen Gästebuch.
Museumssammlung - schon gewusst?
Übrigens, das Stadtmuseum und der KulturBahnhof mit der Ausstellung zur Ruhr-Sieg-Strecke zeigen nur einen kleinen Teil an tatsächlich vorhandenen Gegenständen aus der beeindruckenden Sammlung, die ihren Sitz seit 2021 in Elspe hat.
In der ehemaligen Grundschule in Elspe haben das Stadtarchiv und die Landeskundliche Bibliothek, beide vorher im Museum beheimatet, ein neues, dauerhaftes Zuhause gefunden. Auch das Magazin des Museums ist hier eingezogen. Zum Magazin zählen alle Objekte, die nicht dauerhaft ausgestellt werden können, aber trotzdem zur Sammlung des Museums gehören. Ebenso wie der Archivbestand wächst auch der Museumsbestand immer wieder, wenn durch die Abgabe von Objekten die Sammlung erweitert wird. Eine Abgabe von Objekten ist übrigens jederzeit nach vorheriger Abstimmung möglich. Dabei kann man sich zwischen einer Leihgabe und einer Schenkung entscheiden. Für die Sammlung des Museums der Stadt Lennestadt sind dabei insbesondere regionalgeschichtliche Themen interessant – mit den Schwerpunkten Bergbau, Industrie, aber auch Hauswirtschaft bzw. alte Handwerkskunst, wie beispielsweise Spinnen und Weben. Aber auch zeitgeschichtliche Zeugnisse, wie beispielsweise Kriegstagebücher oder Aufzeichnungen von individuellen Lebensgeschichten sind von Interesse.
Schaumagazin
Während die Bestände des Archivs von Stadtarchivarin Andrea Bräutigam betreut werden, schafft Frank Schulte-Osthoff seit 2021 Ordnung im Museumsmagazin. Dass vor Ort mit sehr viel Herzblut und Begeisterung für die Zeugnisse vergangener Zeiten gearbeitet wird, merkt man den Räumlichkeiten deutlich an. Offene Regale, Schränke mit verglasten Türen und sorgfältig aufeinander abgestimmte, an den Wänden drapierte Objekte zeigen ein buntes, lebendiges Bild des Lennestädter Museumsbestandes, machen neugierig und laden förmlich zum Entdecken ein. Und das ist wörtlich gemeint, denn eine Besichtigung der Räumlichkeiten inklusive einer kleinen Führung ist flexibel nach Absprache möglich. Sowohl Andrea Bräutigam als auch Frank Schulte-Osthoff zeigen gern, was sich hinter den Türen des Stadtarchivs und des Museumsmagazins befindet.
Kernaufgabe: Inventarisieren
Den Kern der Arbeit im Museumsmagazin bildet neben Ordnen, Aufräumen und Objektpflege übrigens vor allem das Erfassen aller neu aufgenommenen Gegenstände in die Museumsdatenbank. Der ehemalige Stadtarchivar Jürgen Kalitzki unterstützt hier immer wieder ehrenamtlich, denn das Inventarisieren ist ein zeitaufwendiger Prozess. Die Objekte werden in der Datenbank sorgfältig mit allen verfügbaren Informationen verzeichnet – angefangen bei Größe und Materialbeschaffenheit bis hin zu einem Arbeitsfoto und allen verfügbaren Hintergrundinformationen. Nicht selten ergibt sich anschließend eine richtige „Objektbiographie“, die vor allem dann hilfreich ist, wenn man eine neue Sonderausstellung plant, Objekte an andere Einrichtungen ausleiht oder Auskunft zu einem bestimmten historischen Thema benötigt wird.
Exponate des Monats
Öffnungszeiten:
| dienstags | 8 - 13 Uhr und 14 -16 Uhr |
| donnerstags | 9 - 13 Uhr und 14 - 18 Uhr |
| jeden 1. Sonntag im Monat | 14 - 17 Uhr |
Einlass ins Museum bis 30 Min. vor Schließung! Der Eintritt ist frei.
Vom 26.01. bis 09.03.2026 bleibt das Museum der Stadt Lennestadt geschlossen. Ausnahmen sind die Museumssonntage am 08.02.2026 und 01.03.2026 (Öffnungszeiten: 14-17 Uhr).
Führungen:
Gruppenführungen sind nach vorheriger Absprache individuell buchbar, auch außerhalb der normalen Öffnungszeiten.
- Kosten: 48 €
- Dauer: ca. 1 Stunde
▶ Hier geht es zu unseren museumspädagogischen Angeboten.
Adresse:
Kölner Straße 57 | 57368 Lennestadt - Grevenbrück
So finden Sie uns: Im Ortsteil Grevenbrück an der B 55, neben der Schützenhalle/OT Grevenbrück. Parkmöglichkeiten am Haus entlang der Straße.